Lagom

die leise Kunst des Genug

Es gibt ein schwedisches Wort, das sich kaum übersetzen lässt und doch sofort verstanden wird: Lagom.
Es bedeutet «nicht zu viel, nicht zu wenig – genau richtig». Ein Lebensgefühl zwischen Gelassenheit und Achtsamkeit, zwischen Schlichtheit und Wärme. Lagom ist kein Trend, sondern eine Haltung: das feine Gleichgewicht, das uns ruhiger atmen lässt.

Weniger Lautstärke, mehr Gefühl

Unser Alltag ist oft überfüllt. Termine, Bilder, Möglichkeiten – alles ruft nach Aufmerksamkeit. Lagom lädt dazu ein, einen Schritt zurückzutreten und zu fragen: Was brauche ich wirklich?

In Skandinavien zeigt sich diese Haltung überall: in hellen Räumen mit wenigen aber sorgfältig ausgewählten Dingen, in der Art, wie man Zeit mit Freunden verbringt, und auch in der Naturverbundenheit. Schönheit entsteht nicht durch Überfluss, sondern durch das bewusste Weglassen.

Lagom und Blumen

Für mich als Floristin ist Lagom eine tolle Begleiterin. Ein Strauss muss nicht immer pompös sein, um zu berühren. Oft sind es die schlichteren Werkstücke, die am meisten erzählen:

  • ein paar Zweige Eukalyptus in einer ausgewählten Vase
  • eine Handvoll saisonaler Blüten, locker gebunden
  • ein Kranz aus Naturmaterialien, scheinbar unspektakulär, jedoch mit grosser Wirkung

Lagom heisst auch, mit den Jahreszeiten zu gehen. Das zu wählen, was gerade da ist – ohne Zwang, ohne Perfektion. Blumen dürfen natürlich wirken, als wären sie eben noch Teil einer Wiese gewesen.

Ein Zuhause im Lagom-Gefühl

Lagom lässt sich leicht in den eigenen Alltag holen:

  • lieber eine Hand voll Lieblingsstücke statt massenhaft Dekorationen
  • Qualität vor Menge
  • Gemütlicher, aber nicht überladener Minimalismus

Ein Strauss auf dem Tisch, der nicht dominiert, sondern begleitet. Ein Gesteck, das Ruhe ausstrahlt. Genau darin liegt die nordische Schönheit.

Die leise Balance

Lagom erinnert uns daran, dass Zufriedenheit oft in der Mitte wohnt. Zwischen genug und zu viel, zwischen Tun und Sein. Vielleicht ist es genau dieses Gefühl, das wir suchen, wenn wir Blumen in den Händen halten: einen Moment, der einfach stimmt.

Nicht perfekt. Nicht opulent.
Sondern: genau richtig.

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